Werbung erreicht schon die Fünfjährigen
22. Juli 2009
Von Doris Marszk
Kinder lernen schon sehr früh aus Werbebotschaften, welche Produkte man „braucht“, um sozial eine bestimmte Rolle ausfüllen zu können. Diese Erkenntnisse verfestigen sich dann ab etwa dem 13. Lebensjahr, so dass sich Vorurteile ausbilden können, die später ins Erwachsenenleben transportiert werden. Dies hat ein US-Forscherinnenteam aufgrund von Beobachtungen von Kindern mehrerer Klassenstufen herausgefunden (Journal of Consumer Research).
„Ob es nun gut oder schlecht ist, wir Erwachsenen haben alle ähnliche Stereotype über Menschen gebildet – anhand der Dinge, die sie besitzen“, schreiben Lan Nguyen Chaplin von der University of Arizona und Tina M. Lowrey von der University of Texas. Die Forscherinnen untersuchten das Verständnis von Werbebotschaften bei Fünfjährigen, bei Grundschulkindern und bei Siebtklässlern.
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Schon mit fünf Jahren, so fanden die Forscherinnen heraus, verstehen Kinder Konsumkonstellationen – etwa, dass ein Mann in einem gut sitzenden Anzug, der mit einem Smartphone einer Limousine entsteigt, ein reicher Mann sein muss. In der dritten bis fünften Klasse belegen die Kinder die Statussymbole mit Produktnamen. Ab dem 13. Lebensjahr nutzen die Jugendlichen noch mehr Produktnamen, um soziale Rollen zu kennzeichnen.
Blogs hinken Nachrichtenmedien 2,5 Stunden hinterher
22. Juli 2009
Traditionelle Medien haben den Ruf langsam zu sein. Das trifft zu bei den Nachrichten, die in Printmedien veröffentlicht werden. Sie sind immer zu spät dran gegenüber dem Internet oder anderen 24-Stunden-Medien wie dem Radio oder dem Fernsehen. Aber wenn es darum geht, wer schneller ist, dann siegen weiterhin wenig erstaunlich die Online-Redaktionen der traditionellen Medien über die Blogger. Normalerweise haben sie, so eine Studie von Jure Leskovec, Lars Backstrom und Jon Kleinberg von der Cornell bzw. Stanford University über die letzten drei Monate der US-Präsidentschaftswahl vom 1. August bis zum 31. Oktober 2008, einen Vorsprung von 2,5 Stunden.
Angeblich handelt es sich um die erste Studie, die anhand einer riesigen Datenmenge genau analysiert, wo welche Nachrichten online zuerst veröffentlicht worden sind, wie sie sich verbreiten und wann sie wieder im digitalen Nirwana verschwinden. Analysiert wurden 20.000 Websites von Online-Medien, die in Google News vertreten sind, und 1,6 Millionen Blogs sowie 90 Millionen Texte, um bestimmte Formulierungen und kurze Sätze sowie ihre Abwandlungen zu verfolgen. Ausgewählt wurden bestimmten Menschen zugeordnete Zitate, die sich gut verfolgen lassen und sich auch nach und nach verändern. Die Variationen seien sogar sehr hoch, sagen die Wissenschaftler. Längere Textabschnitte oder ganze Artikel lassen sich hingegen noch nicht wirklich nachverfolgen, da die Komplexität hier immens ansteigt.
Die Analyse dieses 350 Gigabyte großen Datensets mit ausgefeilten Algorithmen verstehen die Wissenschaftler, wie sie in ihrer Studie „Meme-tracking and the Dynamics of the News Cycle“ daher auch als einen Beitrag zur Mem-Forschung, also wie sich Informationseinheiten, die mit Genen analog gesetzt werden, global und lokal ausbreiten, welche Mutationen oder Variationen sie mit der Ausbreitung von einem Wirt bzw. Medium zum anderen durchlaufen, welche zeitlichen Muster der Verbreitung sich erkennen lassen, welche Meme miteinander konkurrieren und welche Variationsmuster über die Zeit entstehen. Meme tauchen als Neuigkeiten auf, konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Leser und werden schließlich von neuen Memen in Nachrichten verdrängt. Dazu siehe auch die Darstellung auf memetracker.org.
Herr Metzinger, wie die Hirnforschung bestreiten Sie als Philosoph, dass der Mensch ein Selbst hat. Warum?
Die Idee, dass es kein Selbst gibt, ist ja nicht neu. Schon David Hume und Immanuel Kant haben gesagt, dass es kein Selbst im Sinne einer Substanz gibt, die auch ganz allein existieren könnte. Die buddhistische Philosophie sagt dies seit 2.500 Jahren. In der Philosophie des Geistes gibt es so gut wie niemanden mehr, der noch an eine Seele glaubt, die unabhängig vom Körper existiert.
Neu an meinem Ansatz ist vielleicht die Erklärung dafür, wie sich die Vorstellung eines bewussten Selbst entwickelt hat. In enger Zusammenarbeit mit Kognitionswissenschaftlern und Hirnforschern habe ich hierzu eine Theorie entwickelt. Was wir im Alltag als „das“ Selbst bezeichnen, ist meines Erachtens der Inhalt eines inneren Bildes: ein Darstellungsvorgang, der im Gehirn während des Wach- und Traumzustandes abläuft. Dieser Prozess erzeugt ein bewusstes Selbstmodell. Weil wir dieses Modell aber nicht als ein Modell erleben können, haben wir das Gefühl, ein Selbst zu sein: Ein „Ich-Gefühl“ entsteht.
Was kann die Philosophie von der Neurowissenschaft lernen?
Für Philosophen ist es immer heilsam, sich mit empirischer Forschung auseinanderzusetzen, weil dadurch oft falsche Intuitionen zerstört werden. Die Erkenntnisse der Hirnforschung engen zudem den Raum möglicher Lösungen für das Problem des Bewusstseins stark ein, was sehr hilfreich ist. Und manchmal kann die Philosophie auch genauere Begriffswerkzeuge aus den Neuro- und Kognitionswissenschaften übernehmen.
Und umgekehrt?
Umgekehrt kann die Philosophie auch die Neurowissenschaften voranbringen. Häufig ist Hirnforschern nicht klar, was eine wissenschaftliche Erklärung eigentlich ist. Manchmal gibt es auch Erklärungsziele wie etwa die Entschlüsselung des Bewusstseins, bei denen man zuerst einmal genau wissen muss, was das Ziel der Erklärung überhaupt ist. Da ist eine kritische Begleitung durch die Wissenschaftstheorie wichtig – aber insbesondere auch, was ethische und anthropologische Konsequenzen angeht.
Bald könnten Fortschritte in der Hirnforschung den direkten Eingriff ins menschliche Bewusstsein möglich machen. Vor welcher Aufgabe steht da die Philosophie?
Unsere Gesellschaft lebt derzeit in einer Kultur der Verdrängung. Durch die Neurowissenschaften wissen wir eigentlich schon viel über den menschlichen Geist. Aber viele Menschen versuchen trotzdem, an einem einfachen, politisch und religiös korrekten Menschenbild festzuhalten.
Das funktioniert auf Dauer nicht, da aus dem Erkenntnisfortschritt unweigerlich auch neue Technologien entstehen. Schon sind neuartige medizinische Eingriffe am menschlichen Gehirn möglich, etwa zur Behandlung von Parkinson und schweren Depressionen. Vielleicht wird es bald neue Medikamente geben, die die geistige Leistungsfähigkeit nicht nur im Alter, sondern auch bei gesunden jüngeren Menschen erhöhen können. Und im Bereich der künstlichen Intelligenz werden Technologien wie Waffensysteme und Lügendetektoren entwickelt, die auch das Militär und die Geheimdienste interessieren.
Intellektuelle Redlichkeit und gute angewandte Ethik werden deshalb immer wichtiger. Da neue juristische Entscheidungen anstehen, wächst auch der Bedarf an Politikberatung.
Sind Autonomie und Willensfreiheit bei dieser Selbsterkenntnis überhaupt noch möglich?
Noch gibt es keine vollständig überzeugende philosophische Theorie der Willensfreiheit. Es gibt aber einen Konflikt zwischen dem Millionen Jahre alten biologischen Selbstmodell im Gehirn und neuen Theorien in der Wissenschaft. Man kann auch nicht wirklich glauben, dass man vollständig determiniert ist: Damit würde man letztlich seine geistige Gesundheit schwer beschädigen. Das ist das eigentliche Problem: Das bewusste Selbstmodell, das uns die Evolution mitgegeben hat, sagt uns ja, dass wir aus dem Blauen heraus neue Entscheidungen treffen können.
Sie schlagen eine neue Bewusstseinskultur vor. Was verstehen Sie darunter?
Wenn wir das menschliche Bewusstsein bald immer besser kontrollieren können, dann müssen wir uns auch Gedanken darüber machen, was überhaupt ein guter Bewusstseinszustand ist und wie wir in Zukunft leben wollen. Vielleicht besteht der beste Weg, dies zu erreichen, in einer flexiblen Grundeinstellung, einem Ansatz, der wo immer möglich die Autonomie und die Freiheit des einzelnen Bürgers maximiert.
Das neu entstehende Menschenbild besitzt eine ganz eigene spirituelle Tiefe. Unser bewusster Erlebnisraum ist viel größer, als die meisten von uns auch nur ahnen. Das sagt uns die Wissenschaft. Wir können lernen, besser und genauer mit unserem Gehirn umzugehen. Es geht darum, das neue Wissen über das Bewusstsein und die neuen Handlungsmöglichkeiten in die Kultur einzubetten.
Allerdings sind die Chancen, so etwas tatsächlich zu realisieren, eher gering. Auch bei der Klimakatastrophe schreien uns die Fakten von allen Seiten an, aber wir handeln trotzdem nicht. Warum sollten wir es schaffen, eine Bewusstseinskultur zu entwickeln, wenn wir noch nicht einmal in der Lage sind, unser eigenes Überleben zu sicher
Das BKA ruft „Wolf“
14. Juli 2009
Am 28.05.2009 gelang es, den seit mehreren Jahren flüchtigen Thomas Wolf zu verhaften. Wolf war von einem Hafturlaub nicht zurückgekehrt und seitdem war es ihm immer wieder gelungen, der Polizei zu entwischen. Wie im Focus berichtet wurde, spielte die umstrittene „Homepageüberwachung“ des Bundeskriminalamtes (BKA) eine Rolle hierbei. Diese Taktik besteht darin, diejenigen, die bestimmte Seiten des Webauftrittes des BKA abrufen, einer näheren Untersuchung zu unterziehen. Die IP-Adressen der Besucher werden abgeglichen, analysiert und „Auffälligkeiten“ (z.B. wiederkehrende Zugriffe auf eine Seite vom gleichen Computer) sollen letztendlich zu Verdächtigen, deren Mittelsmänner oder Bekannten/Freunde/Verwandten führen.
In dem entsprechenden [extern] Focus-Artikel findet sich allerdings keinerlei Hinweis darauf, dass die IP-Adressenüberwachung in irgendeiner Form auch zu Wolfs Festnahme beigetragen hat, sondern lediglich, dass sie bei der Fahndung angewandt wurde. In mehreren anderen Fällen soll die durch das Bundesinnenministerium am März 2009 gestoppte Überwachung der IP-Adressen zur Festnahme von Gesuchten beigetragen haben. Nähere Angaben will das BKA aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen.
Thought-police is here
14. Juli 2009
Rona Kuperboim slams Foreign Ministry’s plan to hire pro-Israel talkbackers
The Foreign Ministry unveiled a new plan this week: Paying talkbackers to post pro-Israel responses on websites worldwide. A total of NIS 600,000 (roughly $150,000) will be earmarked to the establishment of an “Internet warfare” squad.
The Foreign Ministry intends to hire young people who speak at least one language and who study communication, political science, or law – or alternately, Israelis with military experience gained at units dealing with information analysis.
HRE-Rettung oder „Tod des deutschen Bankensystems“?
14. Juli 2009
Die Financial Times Deutschland berichtet heute über die Vorgänge, die derzeit auch Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchungskommission sind. Dass man die lieber verbergen wollte, davon gibt die Aufschrift „GEHEIM – amtlich geheimgehalten“ Auskunft, mit der die 17 Seiten eines Protokolls gekennzeichnet seien.
Es handele sich um ein Protokoll der Finanzaufsicht BaFin, das bisher unbekannte Details der „dramatischsten Rettungsaktion in der deutschen Bankengeschichte“ aufzeige. Zwischen dem 26. und 29. September 2008 wurde von den Banken, der Finanzaufsicht und der Politik die Rettung des Münchner Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) festgezurrt und dabei wurde mit Panikmache von Seiten der Banken offenbar nicht gespart.
Nach Angaben des Protokolls zeichnete vor allem der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Sonntag den 28. ein dramatisches Bild, damit der Bund viele Milliarden für diese erste Bad Bank bereitstellt, die offiziell nur noch nicht so genannt wird. So habe Ackermann gegen 22 Uhr 45 das Ende des Bankensystems vorhergesagt, wenn die HRE nicht gerettet werde: „Ackermann führt aus, dass dies der Tod des deutschen Bankensystems sei“, heißt es im Protokoll. Damit wollte er wohl das Ruder herumreißen, als die Verhandlungen zwischen Staat und Banken gescheitert schienen.
Die Banken versuchte Ackermann weitgehend aus der Haftung herauszuhalten. Ackermann soll erklärt haben, „bei einer Übernahme von Verlustrisiken in Höhe von 17 Milliarden EUR“ seien deren „Ratings nicht mehr haltbar“ und die „Refinanzierung würde wegbrechen“. Schließlich hätte sie schon Verluste bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers erlitten, die gerade Schockwellen über die Finanzmärkte weltweit aussendete. Man kämpfe mit der „Liquidität und Profitabilität“, sagte der Bankenchef, der sich angeblich für Staatshilfen schämen wollte. Dabei hat er die durch die Hintertür bei der Übernahme der Postbank längst erhalten.
Für ihn war es offenbar „nicht nachvollziehbar“, dass es „für das Überleben des Finanzsystems“ nicht möglich sei 35 Milliarden Euro bereitzustellen. Dabei war seine Bereitschaft, für sein Überleben einzutreten, nur sehr beschränkt. Er versuchte den Anteil seiner Zunft auf 7 Milliarden zu beschränken. Das ist ihm gelungen, denn Banken und Versicherungen haben sich nur mit 8,5 Milliarden an dem Paket beteiligt. Ähnlich dramatisch hat wohl auch der Commerzbank-Chef Martin Blessing die Panik geschürt, dessen Bank schon teilverstaatlicht ist. Ohne die Rettung der HRE „stehe am Montag keine deutsche Bank mehr“, wird er zitiert.
Aus dem Protokoll geht auch hervor, dass schon am 26. September klar war, dass allein 55 Milliarden Euro der HRE-Tochter Depfa finanziert werden müssten, die zum Steuersparen ihren Sitz nach Irland verlegt hatte. Dass auch danach noch in die Öffentlichkeit kolportiert wurde, die HRE brauche nur 10 Milliarden Euro, kann getrost als Verdummung gewertet werden. Inzwischen wurden die Staatshilfen immer weiter angehoben und letztlich sollen bis zu 102 Milliarden Euro an Steuergeldern in die Bank gepumpt werden, die von der Bundeskanzlerin Angela Merkel als „systemisch“ bezeichnet wird. Zudem kauft der Bund zur Verstaatlichung für viele weitere Millionen die Aktienmehrheit. — Ralf Streck
Ich glaube, dass die Welt ohne Religion besser wäre
14. Juli 2009
Sie sind nicht nur berühmt als Physiker, sondern auch bekannt als scharfer Kritiker der Religion.
Ich habe vieles kritisiert, die Religion, die bemannte Raumfahrt, die Raketenabwehr.
Was ist falsch an der Religion?
Es gibt zwei Antworten: Als Wissenschaftler bin ich es gewohnt, die wissenschaftliche Wahrheit durch Beobachtung und mit dem Verstand zu beurteilen und mir viel Zeit zu nehmen, bevor ich zu einem definitiven Schluss komme. Ich bin es auch gewohnt, herauszufinden, dass ich bei einigen Dingen falsch lag. Diese Erfahrung passt nicht sehr gut zum Antrieb religiöser Leute, die gläubig sind, nur weil ihre Eltern dies bereits waren oder weil der Glaube sie glücklich macht oder weil sie annehmen, dass sie sonst sündigen würden. Als Wissenschaftler habe ich eine Abneigung gegen die Art und Weise, wie religiöse Leute zu einem Urteil gelangen.
Und die zweite Antwort?
Die Religion richtet so viel Schaden an. Es gibt auch Gutes, und es ist schwierig, Gutes und Schlechtes gegeneinander abzuwägen. Aber ich bin überzeugt: Wenn man die Geschichte betrachtet und sogar die Gegenwart, dann schadet die Religion mehr, als dass sie hilft.
Aber liefert die Religion nicht ethische oder moralische Grundsätze?
Es gibt Menschen, die auch ohne Religion ein völlig moralisches Leben führen – ich zum Beispiel. Und es gibt Menschen, die religiös sind und glauben, dass die Religion sie lehrt, andere zu töten aufgrund des unterschiedlichen religiösen Glaubens. So wie ich die Scharia verstehe, ist die korrekte Strafe für einen Muslim, der kein Muslim mehr sein möchte, der Tod. Das ist furchtbar. Deshalb glaube ich, dass die Welt ohne Religion besser wäre.
Warum führen Sie ein moralisches Leben?
Die Moral könnte eine Folge unserer Evolution sein. Wir mussten lernen, miteinander auszukommen, um in Stämmen zu leben und beispielsweise die Jagd zu koordinieren. Das könnte ein Teil der Antwort sein. Ich stelle mir das Leben aber auch als eine Art Schauspiel vor, in dem man entweder edel oder unedel agieren kann. Und ich schöpfe lieber die Möglichkeiten des menschlichen Lebens aus, als dass ich die unedle Rolle spiele.
Sie glauben also nicht, dass es nach dem Tod noch etwas anderes gibt?
Nein. Ich wünschte, es gäbe etwas. Es wäre sehr nett, wenn ich mich beispielsweise darauf freuen könnte, meine Frau und meine Tochter, wenn sie sterben, nach dem Tod wieder zu sehen. Aber ich glaube das nicht. Das ist sehr traurig. Ab einem bestimmten Alter realisiert man, dass man sterben wird. Meine Haltung scheint mir die logische Fortsetzung davon zu sein. Wir alle sollten erwachsen werden und realisieren, dass jeder von uns sterben wird – für immer.
Sie sagten, dass Sie nicht nur die Religion, sondern auch die bemannte Raumfahrt kritisiert haben.
Viele Bürger würden eine bemannte Marsmission verteidigen, weil sie glauben, sie sei wichtig für die Wissenschaft, die Wirtschaft oder gar das Militär. Tatsache ist, dass die bemannte Raumfahrt weder einen Beitrag an die Wissenschaft noch an die Wirtschaft oder die Verteidigung geliefert hat. Es ist nur eine Show im Weltall. Ich habe nichts gegen Shows. Ich liebe beispielsweise Feuerwerke. Aber dies ist eine unglaublich teure Show.
Atomkraft ist keine Brückentechnologie
6. Juli 2009
Laufzeitverlängerung würden Ausbau der Erneuerbaren Energien behindern
Das Wuppertal Institut untersuchte im Auftrag des BMU die Auswirkungen, die eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten auf den Ausbau der regenerativen Energieversogung hätte. Ergebnis der Studie: Atomkraftwerke sichern bereits heute nicht mehr, eine oft zitierte, Grundversorgung mit Strom, sondern produzieren wegen ihrer schlechten Regelfähigkeit zu Spitzenzeiten Überschussstrom. Denn schon heute ist das Angebot an regenerativ erzeugtem Strom auf dem Markt teilweise so hoch, dass Grundlastkraftwerke ihre Produktion zurückfahren müssten, wollte man konsequent einen möglichst hohen Anteil regenerativer Energieversorgung erzielen.
Stattdessen geben die Betreiber der Atomkraftwerke zu Spitzenzeiten ihre Energie zu „negativen Preisen“ ab, da ihre Kraftwerke nicht flexibel auf Schwankungen reagieren können. Das allgemein propagierte politische Ziel einer zunehmenden Umstellung auf Erneuerbare Energien auch das Ziel den Energieverbrauch zu senken würden bei Laufzeitverlängerungen so längerfristig behindert. Das Wuppertal Institut prognostiziert, dass eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke Investitionen in erneuerbare Energien verhindern und damit deren Ausbau bremsen würde.
– Matthias Brake
Wikipedia als Neocon
1. Juli 2009
Im Fall der Entführung eines Journalisten wurde die Öffentlichkeit bewusst belogen
Der Ideologie der Neocons nach ist es notwendig, die Öffentlichkeit zu ihrem eigenen Besten zu belügen. Nun wurde bekannt, dass sich im Fall der Berichterstattung um einen entführten Journalisten auch die Wikipedia-Führung um James Wales dieser Vorstellung beugte.
Im November letzten Jahres wurde der damals in Afghanistan tätige Journalist David Rohde zusammen mit seinem Fahrer und einem Dolmetscher das Opfer einer Entführung. Um mögliche Lösegeldforderungen niedrig zu halten, vereinbarten Mitarbeiter seiner Zeitung, der New York Times, mit Nachrichtenagenturen und anderen Medien auf dem „kurzen Dienstweg“ Stillschweigen über das Ereignis. Auf diese Weise sollte der Eindruck vermittelt werden, Rhode sei eine eher unwichtige Figur, um die sich niemand wirklich sorgt.
Ein Freund von Rhode bearbeitete darüber hinaus dessen Wikipedia-Eintrag. Dort löschte er unter anderem Rhodes frühere Tätigkeit beim Christian Science Monitor (einer Zeitung, die trotz des Namens tatsächlich keineswegs explizit christlich ausgerichtet ist) und ließ vor allem Rhodes Arbeit während des Bosnienkrieges besonders moslemfreundlich erscheinen. Sehr plastische Schilderungen seiner Gefangennahme durch bosnische Serben sollten den Entführern den Eindruck vermitteln, dass sie selbst ähnlich handeln und damit auf Seiten der „Feinde des Islam“ stehen würden. Um diese Änderungen glaubhafter erscheinen zu lassen, nahm die New York Times auch Änderungen in ihrem Online-Archiv vor.
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Die Entführung selbst sollte im Wikipedia-Eintrag nicht erwähnt werden. Allerdings gab es dort Nutzer, die aus nichtamerikanischen Quellen davon erfuhren und ihr Wissen weitergeben wollten. Also wandte sich die New York Times an den Wikipedia-Gründer James Wales, der mit den ihm zur Verfügung stehenden Sonderrechten dafür sorgte, dass der Eintrag stets den Wünschen der Zeitung entsprach. Um Aufsehen zu vermeiden wurden auch andere Administratoren mit der Kontrollaufgabe betraut und setzten unter anderem Schreibrechte zurück. Kommentare, die auf Berichte einer afghanischen Nachrichtenagentur verwiesen, wurden mit Verweisen auf deren angeblich mangelnde Verlässlichkeit abgebügelt, darob empörte Nutzer als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt.
Nachdem Rhode Ende Juni schließlich unter etwas merkwürdigen Umständen die Flucht gelang, brachte auch die New York Times die Geschichte – und Wikipedia sieht sich seitdem mit einem erheblichen Vertrauensverlust konfrontiert: Die Darstellungen in den angeblich wenig verlässlichen Quellen entpuppten sich als zutreffend, während eine angeblich verlässliche ihr Archive manipulierte. Und die Verschwörungstheorie erwies sich mit einem Mal als die Wirklichkeit – als eine echte, real existierende Verschwörung. Da fragte sich nicht nur David Ardia vom Citizen Media Law Project, in welchen anderen Fällen die Führung des Online-Lexikons möglicherweise Unwahrheiten zur Geltung verhilft.
Während Wikipedia-Nutzer und Blogger auf die grundsätzliche Problematik des im „Ausnahmefall“ Rhode praktizierten Vorgehens hinwiesen und anmerkten, dass keineswegs klar ist, ob und inwieweit die manipulierte Fassung des Eintrags dazu beitrug, dass die Entführung ein glimpfliches Ende nahm, nutzte man den Fall in Medien wie dem Spiegel für ein Loblied auf die breitflächig praktizierte Selbstzensur, in dem es unter anderem hieß: „In ethnisch aufgeheizter sozialer Stimmung verzichtet man darauf, auf die Ethnie von Gewalttätern zu verweisen“. Ob es Rhodes wohl dienlich gewesen wäre, wenn er sich im Bosnienkrieg an diesen Ratschlag gehalten hätte?
Sein Niveau ist auf der Ebene der Glückskekse
30. Juni 2009
Am 3. August 2009 soll dem Dalai Lama die Ehrendoktorwürde der Marburger Philipps-Universität verliehen werden, um ihn, wie es heißt, »für sein wissenschaftliches Wirken zu würdigen«. Was steckt da dahinter?
Der Dalai Lama wird anläßlich seines diesjährigen Deutschlandbesuches vom 30. Juli bis zum 2. August in der Frankfurter Commerzbank-Arena buddhistische Belehrungen abhalten. Anschließend bekommt er in Marburg einen Ehrendoktorhut aufgesetzt, den 54. seiner Karriere, wenn ich mich nicht verzählt habe. Wie bei all den anderen Ehrendoktoraten, die er von Hochschulen in aller Welt erhalten hat, steht auch in Marburg nicht das geringste akademische Verdienst dahinter. Aber auch kein anderes: kein politisches, kein soziales, kein humanitäres und kein sonstiges.
Vor genau 20 Jahren hat er doch den Friedensnobelpreis bekommen. Auch das ohne Verdienst?
Ja, ohne den geringsten Beitrag zu irgendeinem Demokratisierungs- oder Friedensprozeß. 1989 war das Jahr des Massakers auf dem Tiananmen-Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Man suchte in den westlichen Industrieländern einen Weg, wie man Entrüstung zum Ausdruck bringen könnte, zugleich aber die sich anbahnenden Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China nicht gefährden würde. Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama, den Inbegriff alles Antichinesischen, war dieser moralischen Verpflichtung Genüge getan.
Was rechtfertigt die Marburger Ehrendoktorwürde für den Dalai Lama?
Nichts. Was der »Gottkönig« in seinen Vorträgen zum besten gibt, ist eine absurde Dialektik von Platitüde und Nonsens. Zum einen läßt er positiv-denkerischen Trivialkram ab, dessen Niveau nur selten über das der Glückskekse hinausreicht, die man nach dem Essen im Chinarestaurant bekommt, beispielsweise »Nur wer Leid erträgt, wird Glück erfahren«. Alle können dabei mit dem Kopf nicken und sich der Erleuchtung ganz nahe wähnen, auch wenn der Aussagewert gleich null ist. Zum anderen schwadroniert er endlos in pseudophilosophischer Metaphysik herum und reiht, begleitet von unmotiviertem Gekichere und sonstigen Hanswurstiaden, wie etwa dem Herumschaukeln auf seinem Thron, sinnleere Worthülsen aneinander.